Reueloser Kaiserschmarrn - Wie der Süßkramjunkie in mir zuckerfrei wurde

Reueloser Kaiserschmarrn – Wie der Süßkramjunkie in mir zuckerfrei wurde

Reueloser Kaiserschmarrn - wie der Süßkramjunkie in mir zuckerfrei wurde

Okay ich schummel…fängt ja gut an. Es wird in diesem Rezept Puderzucker vorkommen. Solange man noch viel Süß gewöhnt ist, wird man wahrscheinlich darauf zurück greifen wollen.  Ich habe mir vorgenommen, euch zu einer gesunden Ernährung zu verhelfen, die Freude macht und Wohlfühlen bringt und da ist mein Kaiserschmarrn für mich ein wichtiger Eckpfeiler. Und er ist schlicht zu gut, um ihn für mich zu behalten!

Reueloser Kaiserschmarrn - wie der Süßkramjunkie in mir zuckerfrei wurde

Wer jetzt Lust hat mehr über den Einstieg in meine Ernährungsumstellung zu erfahren, dem empfehle ich sich ein paar Minuten für diesen Eintrag zu nehmen. Ich bin mir sicher, dass es sich lohnt. In Zukunft werde ich mich kürzer halten, schließlich haben wir alle keine Zeit zu verschenken. Wer sich nur für das Rezept interessiert, der scrollt gerne einfach runter zu den leckeren Fakten…

Es ist nun fast eineinhalb Jahre her, als ich bei meiner Freundin Lisa einen Zitronenkuchen probierte, nach dem Rezept fragte und erfuhr, es sei ein ganz normaler Zitronenkuchenteig, nur mit 50% weniger Zucker und halb hellem Weizen-, halb hellem Dinkelmehl. Die Möglichkeit, sowohl Zucker trotz Mengenangaben in Rezepten zu reduzieren als auch Mehl durch gesünderes Mehl auszutauschen hat bei mir irgendwie einen Hebel umgelegt. Es ist verrückt, ich kann gar nicht mehr anders, es gibt keinen Weg zurück. Jetzt wo ich das hier schreibe, wird mir bewusst wie dankbar ich für diesen Zitronenkuchen bin! Neulich habe ich einen Kuchen für die Abteilung meines Mannes gebacken und wurde gebeten, ein gewisses Rezept genau nach Angaben durchzuführen. Ich war fassungslos über die Mengen Butter und Zucker, habe natürlich trotzdem den Löffel abgeschleckt (Mh das ist leicht untertrieben. Wie war das, Zucker macht süchtig…) und hatte hinterher Bauchweh. Noch vor eineinhalb Jahren war das total normal für mich.

Als bei meiner Tochter recht zeitgleich mit sechs Monaten Unverträglichkeiten gegen Kuhmilchprodukte und Geschmacksverstärker diagnostiziert wurden, habe ich sie noch gestillt. Da Inhaltsstoffe aus meiner Nahrung über die Milch gehen, musste auch ich mich anders ernähren. Ob an Straßenbuden, in der Bäckerei oder im Supermarkt, ich war enorm eingeschränkt, verarbeitete Produkte zu mir zu nehmen. Nach Lisas Kuchen noch so ein Wendepunkt in meiner Ernährung. Ich begann mir alles selbst herzustellen, wonach es mir gelüstete…und mich mit den Dingen auseinanderzusetzen, die ich da eigentlich hineingebe.

Durch meine Freundin Sara habe ich Getreidemilch als Ersatz für Kuhmilch kennengelernt. Schon eine Weile gab es die in den Regalen aller Drogeriemärkte. Bis dato waren sie an mir völlig vorüber gegangen. Da Hafermilch gerade für Kinder vielleicht eher nicht gegen Abend genossen werden sollte (Hafer macht Pferde stark, die Energie soll Claire dann doch nicht nachts haben), bin ich an Dinkelmilch hängen geblieben. Pur muss ich die nicht unbedingt haben, aber zur weiteren Verarbeitung steh‘ ich auf das Zeug! Sie ist um einiges leichter als Milch und hat eine natürliche Süße, die sich hervorragend fügt, wenn ich für Claire süße Breie mache oder die Menge an Zucker in anderen Rezepten reduziere. Ich empfehle Dinkelmilch in jedem süßerem Rezept das nach Milch fragt. Bitte denkt an mich, wenn ihr das nächste Mal bei DM oder Rossmann oder im Bioladen seid, nehmt euch ein Tetrapack mit und testet es in euren Rezepten.

So und jetzt zum Kaiserschmarrn. Da meine Eltern ursprünglich aus dem von mir so heiß geliebten Wien stammen, meine Omi eine geniale Köchin war und das zum Glück an meinen Vater abgetreten hat, ich fünf Geschwister habe, wovon alle verrückt nach Kaiserschmarrn sind, kursieren nun wo wir erwachsen sind so einige Kaiserschmarrn Rezepte in unserer Familie. Ich glaube meinen ersten Kaiserschmarrn habe ich mit 8 oder 10 Jahren gemacht, damals noch nach dem Rezept unseres zerfledderten Thea-Kochbuchs (Thea ist eine österreichische Margarine.) Inzwischen habe ich seit vielen Jahren dafür weder ein Buch aufgeschlagen noch eine Waage verwendet und so scheint es meinen Schwestern auch zu gehen. Anders kann ich mir unsere unterschiedlichen Varianten nicht erklären.

Reueloser Kaiserschmarrn - wie der Süßkramjunkie in mir zuckerfrei wurde

Meine Version ist zeitlich und gesundheitlich optimal. Nun ist man ja ein Gewohnheitstier aber mein Mann und ich lieben ihn genauso. Ich könnte mich reinlegen! Normalerweise kommt eine Menge Eier in den Teig, wobei Weiß von Gelb getrennt und das Weiß aufgeschlagen wird. Das macht den Teig zwar unschlagbar fluffig,  dadurch schmeckt er aber auch intensiv nach Eiern. Wenn man so oft Kaiserschmarrn macht wie ich käme da eine beachtliche Menge Eier zusammen. Der Cousin meines Vaters, ein Ur-Bauer im niederösterreichischen Weinviertel, benutzt stattdessen Backpulver. Ich mache das inzwischen genauso. Ich bin einfach zu faul, um Eier zu schlagen und hinterher zusätzlichen Abwasch zu haben.

Ich habe einige Wochen und Versuche gebraucht, bis ich mich getraut habe den Zucker komplett durch Ahornsirup zu ersetzten. Ist wohl das Gewohnheitstier. Außerdem hat sich mein Gaumen ja nicht von heute auf morgen auf weniger Zucker eingestellt. Heute liebe ich Ahornsirup in vielen Rezepten die nach Zucker fragen. Er schmeckt besser, ist nicht ganz so süß und man tendiert viel eher dazu, weniger zu  verwenden. Außerdem enthält er zum Unterschied von normalem Zucker immerhin wertvolle Mineralien.

Als ich zu Beginn für Claire auf so ziemlich jegliche fertig gekauften Süßigkeiten verzichten musste, habe ich Kaiserschmarrn oft drei- oder viermal die Woche gemacht. Kein Scherz, an einem Tag sogar zweimal! Und jetzt aufgepasst: An dem Tag habe ich abgenommen! Morgens Frühstück, mittags einen Kaiserschmarrn, nachmittags noch einen und abends war ich so satt, also ohne Abendessen ins Bett und weg war ein halber Kilo. Naja das soll jetzt nicht die nächste Diätrevolution hervorrufen.

Vor einigen Monaten hatten wir wieder Anlass für ein großes Familientreffen, bei dem ich gebeten wurde meinen Kaiserschmarrn vorzustellen. Meine Schwester konnte ob meiner veränderten Figur nicht glauben, dass ich den immer noch mindestens wöchentlich zubereite. Da jeder von uns seinen eigenen Kaiserschmarrn gewöhnt ist, gab es dazu verschiedene Meinungen: Meine älteste Schwester mochte ihn total, adaptierte meine Version der Zutaten, schlägt aber weiterhin lieber das Eiweiß steif. Meine Mutter isst Kaiserschmarrn lieber selten, dafür aber richtig süß, mit vielen Eiern und mehr Butter. Meiner anderen Schwester gefiel die Idee, hiermit ein Rezept zu haben, das süße Gelüste stillt, ohne sich dabei nachher wie ein Stein zu fühlen oder ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn man sich gerne nachnimmt. Sie wirkte ganz überrascht als sie meinte, dass der echt lecker ist. Keine Frage, dies ist nicht wirklich SO gesundes Essen. Die Nährstoffe halten sich in Grenzen, da haben meine anderen Rezepte einiges mehr zu bieten. Aber wenn es mir nach einer Packung Kekse oder Haribo ist (und ich esse leider IMMER die ganze Packung, zumindest wenn mein Mann nicht schnell genug ist), ist dieser Kaiserschmarrn die perfekte Wahl. Die Kekse bleiben besser im Laden.  Claire liebt ihn übrigens genauso. Sie und ich essen ihn ohne Puderzucker, mein Mann mit. Wir mögen ihn mit hausgemachtem Apfelmus oder Pflaumenkompott (ohne zugefügtem Zucker, nur ein wenig Zimt, am liebsten mit Obst aus Mamas Garten), genießen ihn oft auch schlicht solo.

Ich habe diverse Mehlsorten ausprobiert und empfehle für dieses Rezept helles Dinkelmehl. Natürlich kann man es mit Vollkorndinkelmehl oder Buchweizenmehl mischen, aber ich mag es, wenn der Geschmack dem Original so treu wie möglich ist. Helles Dinkelmehl schmeckt letztlich wie normales weißes Weizenmehl, ist aber gesünder, weil sich die Körner von der Schale nicht so gut trennen lassen. Sprich, es ist ein Tick mehr Vollkorn und enthält so auch in der hellen Form mehr Nährstoffe: Dinkel ist besonders gut für Gehirn, Nerven, Haut, Nägel und Haare, gute Laune, entgiftet, stärkt die Abwehrkräfte und regt den Stoffwechsel an. Ich habe gar kein helles Weizenmehl mehr zuhause.

Reueloser Kaiserschmarrn - wie der Süßkramjunkie in mir zuckerfrei wurde

Ich kann wohl ziemlich mit Gewissheit sagen, dass ich über kein anderes Gericht so lange reden könnte. Es lohnt sich, also ab in die Küche und dieses Rezept mit Freude und Liebe nachkochen und gerne nach eigenem Geschmack mit den Eiern variieren (siehe oben). Und jetzt, wenn ihr Lust bekommen habt, zu den Hausaufgaben: Vergesst weißes Mehl. Kauft es einfach nicht mehr, man braucht es nicht. Es hat sich völlig unnötig eingebürgert. Stattdessen also Dinkelmehl. Kauft Dinkelmilch und versucht es in euren Rezepten. Mischt es in den Kaffee, kocht damit Griesbrei. Ihr werdet sehen, man braucht viel weniger Zucker. Und letztlich traut euch peu a peu die Menge Zucker in den euch bekannten Rezepten zu reduzieren. Ein normaler Marmorkuchen schmeckt auch mit 50% reduzierter Zuckermenge noch wunderbar herrlich. Und dann hinterlässt mir doch bitte einen Kommentar. Ich freue mich so von euren Erfahrungen zu hören!!

Reueloser Kaiserschmarrn für 2-3 Personen
Zubereitungszeit 15 Minuten

In Sachen gesunder Ernährung ist natives Kokosöl eine ausgesprochen gute Wahl! Auf Grund seiner chemischen Zusammensetzung wandelt es sich nicht in Hüftgold um, schützt vor Krankheiten und unterstützt die Gehirnentwicklung. Schwangere, Stillende, Kinder, Senioren und auch alle Altersstufen dazwischen profitieren vom Öl! Die milde Variante – mildes Kokosfett genannt und erhältlich von Rapunzel oder Dr. Georg – ist geschmacksneutral.
Dinkelmilch schmeckt von Natur aus süßlich. Natives Kokosöl, Dinkelmehl, Dinkelmilch und Ahornsirup sind erhältlich im Bio- bzw. Drogeriemarkt.

Einkaufsliste
1
gehäufter EL Butter oder natives ggf. mildes Kokosöl
150 g Dinkelmehl (Typ 650)
200 ml Dinkelmilch oder andere Milch
1 Ei
1 Prise Salz
1/4 TL Backpulver
1-2 EL Ahornsirup, ggf. mehr
2 EL Rosinen
optional Birkengoldstaub (mehr dazu hier) und zuckerfreies Kompott zum Anrichten

Zubereitung
Dinkelmehl mit 1 Prise Salz und Backpulver in einer Schüssel mischen. Die Milch hinzufügen, ebenso 2 EL Ahornsirup. Alles mit einem Schneebesen verquirlen, bis ein klumpenfreier Teig entsteht.
Eine beschichtete Pfanne mit Butter oder nativem Kokosöl vorsichtig erhitzen, das Fett darf nicht qualmen.
Das flüssig gemachte Fett zum Teig geben und glattrühren. Schließlich das Ei unterrühren. (Mixt man alles mit dem elektrischen Mixer ist die Reihenfolge egal. Ich mag den Schneebesen, weil er schneller griffbereit ist. Hier darf das Ei erst zum Schluss hinein, da das Mehl sonst klumpt.)
Den Teig in die zuvor verwendete Pfanne gießen und auf mittlere Stufe stellen.
Etwa 2 EL Rosinen darüber streuen, ganz nach Gefühl. Sie kommen erst jetzt in den Teig, damit sie nicht unten anbrennen.
Sobald der Teig am Boden fest wird und Farbe annimmt, mit einem Heber unter den Teig gehen, ihn anheben und umdrehen. Dabei soll er gerne zerreißen. Jetzt den Teig gänzlich zerreißen und darauf achten, dass alle rohen Teigflächen Hitze und Farbe abbekommen.
Abschmecken und die Süße nach den eignenen Vorstellungen anpassen. Dafür nach Bedarf noch in der Pfanne mit ein paar Tropfen weiterem Ahornsirup beträufeln und verrühren oder am Teller mit Birkengoldstaub und ungezuckertem Kompott anrichten. Noch heiß servieren und genießen! Mhhhh…

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Spätere Anmerkung: Eine vegane Variante findet ihr in den Kommentaren.

 

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